Was ist FEDECRAIL?


20 Jahre FEDECRAIL

Die Jahreskonferenz 2014 von FEDECRAIL, dem europäischen Dachverband der Museums- und Touristikbahnen, in Budapest war etwas Besonderes: Die „European Federation of Museum and Tourist Railways“ beging ihren 20. Geburtstag. Im April trafen sich die Delegierten in Ungarn zu einem Programm mit Konferenzen und Exkursionen. Das war die Gelegenheit, zurückzublicken auf die vergangenen zwei Jahrzehnte und aufzuzeigen, welche Erfolge erzielt wurden.

Seit vielen Jahren gibt es schon eine Kooperation zwischen den Museen und historischen Eisenbahnen in Europa. Sie begann mit einer Konferenz 1989, die von der britischen „Association of Railway Preservation Societies“ in Utrecht organisiert wurde, um „150 Jahre Eisenbahnen in den Niederlanden“ zu begehen. Was als ein erstes europäisches Treffen begann, das 1991 in Hameln wiederholt wurde, bekam zusätzliches Gewicht mit dem Vorschlag, einen europäischen Verband zu gründen. Die Teilnehmer des Treffens waren der Meinung, dass in einem sich weiter entwickelnden Europa eine größere Zusammenarbeit zwischen Museumseisenbahnen angestrebt werden sollte.

Nach einer Zeit der Diskussion, der Überprüfung und der Vorbereitung durch eine Lenkungsgruppe aus den Reihen der Beteiligten in Hameln wurde FEDECRAIL 1994 in Leuven (B) nach belgischem Recht gegründet. In der Satzung wurde festgeschrieben, dass die vordringlichsten Ziele die Kooperation und gegenseitige Unterstützung, das Erkennen und Lösen von gemeinsamen Problemen und die gemeinsame Interessenvertretung auf europäischer Ebene sind.

In den ersten Jahren ging die Entwicklung nur langsam voran, doch dann gewannen die Regulierungen und Verordnungen durch die Europäische Union immer mehr an Gewicht. Gleichzeitig wuchs die Anzahl der Mitgliedsländer auf 27. Auch in Osteuropa wurde FEDECRAIL dank NERHT (New Europe Railway Heritage Trust), bekannt.

Im Laufe der Jahre gelang es FEDECRAIL, insbesondere durch das Büro von Brian Simpson (Mitglied des Europäischen Parlamentes), Änderungen in 14 Entwürfen von EU-Richtlinien zu erreichen. Besonders erwähnenswert ist die allererste Kampagne, die das Zurückziehen einer Anweisung bei „heißen Oberflächen“ einbrachte. Sie hätte nämlich dazu geführt, dass alle dampfführenden Leitungen an Dampflokomotiven hätten isoliert und alle vorspringenden Teile gut sichtbar gelb angestrichen werden müssen.

Brian Simpson gelang es ferner, eine Reihe von Ausnahmeregelungen von den EU-Richtlinien für Bahnen mit eigenen Strecken wie Regionalbahnen und Museums- und Touristikbahnen zu erreichen, sofern sie nationalem Recht unterliegen: insbesondere bei der Trennung von Infrastruktur und Betrieb wie auch bei Werkstatt- und Führerscheinrichtlinien. Für Fernfahrten können die Mitgliedsstaaten für historische Verkehre Ausnahmen für Deckungssummen bei Haftpflichtversicherungen sowie beim Fernabsatzgesetz zulassen. FEDECRAIL leistete zudem Lobbyarbeit gegen ein Verbot, mit Steinkohlenteeröl getränkte Eisenbahnschwellen und bestimmte Abbeizmittel zu verwenden. Außerdem geht auf Brian Simpson, seit kurzem Vorsitzender des Verkehrs- und Tourismusausschusses des Europäischen Parlamentes, die Möglichkeit zurück, Ausnahmen von EU-Regelungen für Pauschalreisen in Anspruch zu nehmen.

Von besonderer Bedeutung ist ein Treffen zwischen FEDECRAIL und der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA / European Railway Agency), das ebenfalls von Brian Simpson arrangiert wurde und der Dachorganisation den Status eines „Representative Body“ in der ERA einbrachte. Das heißt, dass FEDECRAIL als Fachorganisation in die Vorbereitung zu den Entwürfen von EU-Richtlinien für die Eisenbahn einbezogen werden muss. Dieser Erfolg ist zum Teil auf den guten Ruf des Verbandes zurückzuführen, der durch seine Präsenz in der EP-Studie des Ausschusses für Verkehr und Tourismus über Denkmalschutz und ländlichen Tourismus mitbegründet wurde.

Des Weiteren haben Vertreter von FEDECRAIL mindestens achtmal auf Bitten ihrer Mitglieder in nationalen Angelegenheiten interveniert, auch außerhalb der EU. 2002 wurde in Riga (Lettland) beschlossen, einen Leitfaden für die Erhaltung historischer Eisenbahnen zu entwickeln, Riga Charta genannt. Hierin wird aufgezeigt, wie historische Fahrzeuge restauriert und unterhalten werden sollten, damit nichts von ihrem kulturellen Wert verloren geht. Die Riga Charta hat sich als ein nützliches Werkzeug für die Kommunikation mit internationalen und anderen kulturellen Institutionen erwiesen. 

Ergänzend zu dem Obenstehenden hat FEDECRAIL noch eine Reihe anderer Erfolge aufzuweisen: unter anderem die Bildung von Arbeitsgruppen, die Etablierung eines jährlichen Jugendaustausches, die Herausgabe eines Mitteilungsblattes, die Anerkennung durch die Eisenbahnagentur als Fachorganisation, die Vertretung im Ausschuss für Industrie- und Technikdenkmale von Europa Nostra sowie Einladungen zu Tagungen und Seminaren in Europa, um dort zu referieren.

Im Laufe der Jahre hat FEDECRAIL die Anzahl der Länder ausgeweitet, aus denen die Mitarbeiter kommen. Im Vorstand sind Mitglieder aus sieben verschiedenen Ländern. In den ersten Jahren dominierten die Briten im Vorstand, da zu der Zeit Großbritannien allein 30 Prozent des musealen Eisenbahnsektors in Europa ausmachte, aber heute sind Mitarbeiter aus Schweden, England, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Lettland und Österreich vertreten.

FEDECRAIL ist eine vollständig ehrenamtlich betriebene Organisation ohne bezahlte Angestellte. Es darf nicht vergessen werden, dass gerade hier in den Arbeitsgruppen, insbesondere in der Arbeitsgruppe für den historischen Eisenbahnbetrieb, die Weichen gestellt wurden, um von der ERA anerkannt zu werden.

Obwohl FEDECRAIL davon überzeugt ist, viel erreicht zu haben, um seine Mitglieder und auch alle Museums- und Touristikbahnen in Europa zu unterstützen, wird dies kein Platz für die Organisation sein, um sich selbstzufrieden zurückzulehnen, insbesondere da verschiedene neue Herausforderungen anstehen.

Wesentliche Fakten über FEDECRAIL

Foto: Heimo EchenspergerFEDECRAIL - Europäsiche Föderation der Museums- und Touristikbahnen - ist eine Organisation nach belgischem Recht, wurde im April 1994 in Brüssel gegründet und durch königlich belgisches Dekret bestätigt.

FEDECRAIL - ist die europäische Dachorganisation für alle Freunde des Schienenverkehrs, die sich mit der Erhaltung, Bewahrung und dem Betrieb historischer Eisenbahnfahrzeuge beschäftigen.

FEDECRAIL - hat derzeit 42 Mitglieder aus 27 Ländern mit insgesamt 650 Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen.

FEDECRAIL - Mitglied können alle europäischen nationalen Dachorganisationen der Museums- und Touristikbahnen werden. Einzelvereine nur dann, wenn keine nationale Organisation besteht. Einzelmitglieder oder außereuropäische Verbände können als Förderer, Mäzene oder Sponsoren Mitglied ohne Stimmrecht im Kreis der "Freunde von FEDECRAIL" werden.

FEDECRAIL - versteht sich als Bindeglied zwischen den nationalen Dachverbänden und den europäischen Gremien (EU Parlament, EU Kommissionen, EU Generaldirektionen, usw.)

FEDECRAIL - ist das Diskussions- und Informationsaustauschforum für die europäischen Museums- und Touristikbahnen.

FEDECRAIL - Vorstand und Fachbeauftragte (Leitungsorgane) kommen aus allen europäischen Mitgliedsverbänden und arbeiten ausschließlich ehrenamtlich.

FEDECRAIL - gibt dreimal im Jahr ein Mitteilungsblatt heraus, mit allen wichtigen Informationen.

FEDECRAIL - veranstaltet einmal jährlich eine Konferenz mit speziellen europäischen Themen der Museums- und Touristikbahnen, wie Erhaltung und Bewahrung des europäischen Erbes, Einbindung in die Regionen, Arbeitssicherheit, Finanzierung, Gesetzgebung, Harmonisierung, Umweltschutz, usw. Teil der Konferenz sind immer Studienfahrten an 3 Tagen in die Umgebung der jeweiligen Konferenzorte.

Erhebung unter FEDECRAIL-Mitgliedern – Statistik im Jahr 2014

Mitglieder aus 16 Ländern haben sich an einer Umfrage von FEDECRAIL beteiligt, die die Bedeutung der durch den europäischen Dachverband vertretenen Bahnen sowohl in wirtschaftlicher, kultureller wie auch sozialer Hinsicht erfassen sollte. Teilgenommen haben Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Luxemburg, Österreich, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien und die Schweiz. Laut Statistik ist bei ihnen von mehr als 20 Millionen Besuchern pro Jahr auszugehen. Mit Abstand die meisten – 11 Millionen – werden in Großbritannien gezählt, gefolgt von Frankreich mit 3,7 und Deutschland mit 2,2 Millionen Besuchern. In Österreich sind es noch 1,4 Millionen Besucher.

Die Bahnen betreiben insgesamt mehr als 5200 Streckenkilometer. Dabei ist das in Deutschland von Museumszügen befahrene Streckennetz mit 1300 Kilometern das längste. Fast gleichauf liegt Frankreich mit 1200 Kilometern. In Österreich sind es 1100, in Großbritannien 890 Kilometer. In Italien, Portugal und Spanien werden keine eigenen Strecken ausgewiesen.

Die Zahl der Dampflokomotiven beläuft sich auf rund 2000. Die weitaus größte Anzahl ist in Großbritannien – 866 Exemplare – vorhanden. Mit 320 Maschinen meldete Deutschland etwa so viele wie Österreich (157) und Frankreich (150) zusammen.

Europaweit engagieren sich laut Erhebung rund 35 000 Ehrenamtliche und 4000 bezahlte Arbeitskräfte. Die meisten Ehrenamtlichen in Großbritannien mit 19.100. Frankreich sind es noch 3000, in Deutschland 2200. Dem stehen an bezahlten Arbeitskräften wieder in Großbritannien die meisten gegenüber mit 2273, in Frankreich 800 und in Deutschland 420.

Hier die gesamte Statistik der Dachverbände im Einzelnen:

Land GB F D A S DK N B NL I
Mitgliedsbahnen 179 95 80 35 36 18 7 9 29 20
Besucher 11 000 000 3 700 000 2 200 000 1 400 000 120 000 168 000 70 000 160 000 700 000 --
Betr. Strecken (km) 890 1 200 1 300 1 100 150 100 90 70 160 --
Dampflokomotiven 866 150 320 157 120 75 11* 16* 91 25*
Freiw. Mitarbeiter 19 100 3 000 2 200 850 1 300 740 160 350 1 700 600
Bez. Mitarbeiter 2 273 800 420 150 45 4 12 27 85 0

* betriebsfähige Dampflokomotiven 

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aktualisiert am 24.01.2016